Hinderzimmer
„Wo Rouch isch isch ou Füür“ singt Lisa Catena im Song „e Zigarette lang“ auf ihrer ersten CD „Hinderzimmer“. Wer ihr Debütalbum zu Ohren bekommt, wird rasch merken: Diese junge Berner Musikerin macht wenig heisse Luft, sondern garantiert dafür, dass es uns beim Zuhören warm wird ums Herz und sorgt das eine oder andere Mal für heisse Ohren.
Lisa Catena führt uns auf leisen Sohlen ins Hinterzimmer und öffnet uns ihre musikalische Schatztruhe. Spärlich und originell instrumentiert kommen die Songs auf ihrem ersten Album „Hinderzimmer“ daher wie hübsche, faszinierende Preziosen in einem schillernden Kabinett voller Kuriositäten. Es sind Chansons, die sich in die Ohren des Zuhörers schmeicheln, sich zwischen den Ohren einnisten und im Kopf lange nachhallen. Melodien tragen die Worte, die ihr wichtig sind wie jedem Liedermacher, und die Geschichten treiben auf den Klängen wie die Gischt auf den Wellen. Klängen, denen man sich wohlig hingibt, weil sie das Zeug haben, sich nachhaltig in den Gehörgängen einzunisten.
Produzent Andi Hug
Catenas Erstlingswerk ist nicht monumental, verursacht kein Erdbeben. Zusammen mit den Musikern Jüre Walter (Akkordeon, Piano), Ivo Ubezio (Bass) und Arno Troxler (Schlagzeug) ist der bemerkenswerten Newcomerin jedoch ein Wurf gelungen, der aufhorchen lässt. Ein kleines, feines Album, überaus hübsch und stimmungsvoll gestaltet, und vom musikalischen Tausendsassa und Multiinstrumentalisten Andi Hug liebevoll produziert. Akkordeon und Bass sekundierten wohldosiert Lisa Catenas Gitarre, manchmal wehen ein paar Klänge eines Harmoniums oder Vibraphons herein.
Das Entscheidende an Chansons ist aber ihre Story. Lisa Catena hat uns etwas zu erzählen. Ihre Lieder sind Episoden, verdichtete Geschichten, die sie dem Leben von den Lippen abgelesen hat. Ohne ein überflüssiges Wort skizziert sie Stimmungen und Begebenheiten, welche die Befindlichkeit einer ganzen Generation widerspiegeln. Lisa Catena ist kein weiblicher Minnesänger, aber es ist ihr gelungen, ein paar berndeutsche Lovesongs zu verfassen, die ohne Schmalz auskommen, selbst wenn sie – wo jede andere in die Klischee-Falle stolpern würde – in Venedig spielen. „E letschte Blick zrügg uf d Stadt, u mit üs trybe au üsi Tröim wie toti Fische im Meer.“
Lustvolles Spiel mit dem Feuer
Lisa Catena singt mit mädchenhaft zarter Stimme von den Kerben und Narben, welche das Leben auf der Seele einer Endzwanzigerin hinterlassen hat. Sie gesteht, oft im falschen Film die falsche Rolle gespielt zu haben: “Dass i nume e Statischtin bi hani ersch im Abspann gseh. Syt i by dir d Houptroue spile, spilt das aus ke Rolle meh.” Und sie outet sich augenzwinkernd als permanente Sucherin: „I ha aus probiert, doch s isch no nie passiert, dass i wie dür nes Wunder öppis hätti gfunde, wo mir uf aui Frage en Antwort git – i bi ne Suecherin”. Mit erfrischender Selbstironie spöttelt sie über die eigene Unentschlossenheit - “Villech u villech nid. Eigentlech immer, nume itze grad nid. I cha mi nie entscheide zwüsche eim vo beidne. Ha meischtens ke Schimmer u drum sägen i immer – villech.” Sie träumt von einem Zimmer, „wo nume üs zwöi ghört. Wo nume mir geng wieder finde, irgendwenn vo Zyt zu yt.“ Kein Wunder, singt sie dann in „Sünde“: „Wenn i müesst wähle zwüsche dir und emene sichere Platz im Himu würd i mis Seeleheil verspile. I nuum e Nacht mit dir anstatt d Vergäbig vo allne Sünde.“ Kann man sich eine schönere Liebeserklärung vorstellen?
Lisa Catenas erste CD ist ein hübsches Kleinod. Voller Musik, die perfekt zu einem Abend am Kaminfeuer passt. Hingefläzt auf ein gemütliches Sofa, irgendwo in einem stillen Hinterzimmer… |